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Einpacken…

Der Welt für kurze Zeit die eigene Vorstellung aufprägen.

Heute im Bioladen: An der Kasse stehen 5-6 Personen, gerade abkassiert wird eine Dame, die viel eingekauft und auf dem Band liegen hat. Dem Erscheinungsbild nach ist die Dame eine überzeugte „Entschleunigt Leben, sich selbst finden und sich in wallende, große Stoffe hüllend“ – Verfechterin. Die Kassiererin ist schnell, die Dame packt die Sachen in diverse mitgebrachte Taschen, Körbe und Rucksäcke. Sowas muss durchdacht werden, mehrfach wandern bereits eingepackte Dinge aus dem einen Behältnis in ein anderes Behältnis. Die Kassierin ist fertig, es ist ungefähr ein Drittel der Sachen verpackt. Die Kassiererin nennt den Preis, wartet. Das tun auch die in der Schlange weiter hinten wartenden. Die Dame packt seelenruhig weiter ein, in der Schlange hinter ihr blicken sich die Menschen an, Schultern werden gezuckt, Mienen werden grimmiger. Das bekommt die packende Dame natürlich mit, jetzt gilt es, nicht mehr einfach fertig zu werden, jetzt gilt es, Haltung zu bewahren und der Welt für einen kurzen Moment die eigene Vorstellung aufzuprägen. Einige Sachen wandern noch vom Band in die Taschen, dann wird aus dem Rucksack das Portemonnaie unter den Einkäufen gesucht und gefunden. Ein erster Blick in das Kleingeldfach, ein etwas längerer Blick und Herumgesuche. Kleingeldfach zuklappen, im Geldscheine-Fach ist nicht genug Geld. Nun ist ja die zu erwartende Summe bei so einem Einkauf grundsätzlich immer vollkommen überraschend und durch nichts in der Welt vorherzuahnen. Also die Geldkarte gezückt, bei der zweiten falschen PIN-Eingabe stellt sich heraus, es ist die falsche. Nach erfolgreicher Zahlung mit der richtigen Karte gibt die Kassiererin Gas, und alle in der Schlange dahinter sind abgefertigt, als die Dame alles eingepackt hat und aus dem Laden rauscht.

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